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Das Medienhaus Laumanns

Gestern, heute, morgen: Wir nehmen Sie zum Jubiläum mit auf eine spannende Reise durch die Verlagsgeschichte, die Abteilungen unseres Hauses und das Leben im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung.

Streitfall Gendern

Was unsere Leser von der Sprachdebatte halten

Von Helga Wissing


Genderzeichen, Feminisierung oder auch Neutralisierung: Was das generische Maskulinum vermeintlich nicht schafft, soll Gendern lösen – die Schablone im Kopf erweitern, damit alle Menschen in angemessener Weise repräsentieren werden, argumentieren die Befürworter der alternativen Sprachform.


Gendern, ja oder nein? Für die Patriot-Redaktion ist das ein steter Abwägungsprozess. Derzeit vertreten wir den Standpunkt, dass Sternchen, Binnen-I und Doppelpunkt den Lesefluss und die Verständlichkeit zu sehr stören und daher nicht im Verhältnis zu dem Zweck stehen, den das Gendern erfüllen soll. 


Doch was halten eigentlich diejenigen davon, die am Ende die fertigen Texte lesen? Unsere Reporterin Helga Wissing hat sich unter unseren Lesern umgehört.

 

Jördis Brier (34) Lippstadt

Ich habe kein Problem damit, wenn es nicht so ist. Grundsätzlich sollte jede(r) es so halten, wie er oder sie es für richtig hält.  Es wäre natürlich korrekt, dass Gendern in Zeitungen zu achten, damit sich jeder vertreten fühlt. Ich benutze es selten, aber es wird zur Gewohnheit, je öfter man es liest.  Früher oder später wird es sich ohnehin etabliert haben. Ich bin ein Freund vom Ausprobieren,  wenn die Mehrheit es gut findet,  warum nicht. Sprache entwickelt sich.


Ernst Pawlik (72), Erwitte

Ich habe kürzlich in einer Begrüßung „Liebe Gäste und Gästinnen“ gehört. Streng genommen müsste man dann auch von „Menschin“ sprechen.  In Zeitungsartikeln führt es dazu, dass der Text nicht mehr so leicht lesbar ist. Die angehängte Form von „in“ und „innen“ irritiert. Ebenso wie das so genannte „Gender-Sternchen“. Meiner Meinung nach lassen sich Emanzipation und Gleichberechtigung auch auf andere Weise ausdrücken.


Linda Keil (39),  Lippstadt

Ich bin sehr dafür, dass auch in Zeitungsartikeln gegendert wird, da Sprache Wirklichkeit sowohl abbildet als auch prägt. Sprache hat eine Stellvertreterfunktion für die uns umgebende Realität, die für jeden ein eigenes Konstrukt ist. Sprache ist ein Medium, das versucht, die Wirklichkeit abzubilden und auch für nachfolgende Generationen Weltbilder erschafft. Ein Beispiel ist meine kleine Tochter. Sie glaubte, nicht Arzt werden zu können, weil das ja nur Männer sind.


Michael Klottka (60), Lippstadt

Damit habe ich mich tatsächlich noch nicht so ausführlich auseinandergesetzt, obwohl im Bekanntenkreis bereits darüber diskutiert wurde. Ich finde auch, dass es in der Welt gerade ganz andere, größere Probleme gibt. Aber beim Lesen mancher Texte ist mir aufgefallen, dass das Gendern dazu führt, dass man das Geschriebene  nicht mehr so flüssig lesen kann. Das gilt nicht nur für Zeitungsartikel, sondern für alle Formen von Texten.


Dieter Kortmann (72), Lippstadt

Tatsächlich bin ich gar nicht dafür. Ich verstehe durchaus den Gedanken dahinter, aber die Gendersprache treibt inzwischen auch immer mehr seltsame Blüten. Ich finde auch, dass es gerade überall in der Welt bedeutendere Dinge gibt, über die man diskutieren sollte. Die Gendersprache macht Texte unverständlicher und schwieriger zu lesen. Und gerade bei Zeitungsartikeln finde ich es wichtig, dass man sie problemlos lesen kann.